Die Zeiten, in denen man das Wasser ohne vorherige Aufbereitung nutzen konnte, sind bei uns lange vorbei.

Um uns ein eigenes Bild von der Aufbereitung unseres Trinkwassers machen zu können, besuchten wir die beiden regionalen Wasserwerke:

Wasserwerk Rohland in Breckerfeld und
Wasserwerk Volmarstein.

Diese Wasserwerke versorgen unsere Region mit frischem Trinkwasser von sehr guter Qualität.
Dieses Kapitel informiert über diese Wasserwerke, sowie die Reinigung von Abwasser in Klärwerken, die Speicherung von Trinkwasser und Gewässerschutz.

Vorsorgender Gewässerschutz

Um die gute Qualität des Wassers zu sichern, wird so viel wie möglich darauf geachtet, dass keine belastenden Einflüsse in das Wasser gelangen. Daher wurde auch für die Ennepe-Talsperre und das Gebiet um das Wasserwerk Volmarstein ein Wasserschutzgebiet festgesetzt. Die AVU arbeitet hier mit den Landwirten zusammen und achtet darauf, dass die Forderungen des Gewässerschutzes realisiert werden.

In Kapitel 8 dieser Arbeit sind u. a. Bilderserien von der Umgebung der Ennepe-Talsperren abgelegt, die einen Eindruck der Wassergewinnung "vor dem eigentlichen Wasserwerk" liefern sollen.

Wasseraufbereitung Ennepetalsperre
Schutzgebiet der Ennepetalsperre (Quelle: AVU)
  
Wasseraufbereitung Ennepetalsperre
Schutzgebiet des Wasserwerks Volmarstein (Quelle: AVU)

    Flächennutzung in den Wasserschutzgebieten der Wasserwerke Rohland und Volmarstein:

      Ennepe-Talsperre Volmarstein
    Größe der Wasserschutzgebiete 48,6 km² 11,2 km²
    Art der Nutzung in %    
    Wald-/Forstwirtschaft 32 36
    Grünland 47 4
    Acker 9 21
    Siedlungen/ befestigte Flächen 8 29
    Gewässer 3 1
    Sonstige 1 9

Auffallend ist der große Anteil landwirtschaftlicher Nutzung. Hier müssen die Landwirte sehr darauf achten, dass keine Düngemittel in Zuflussufernähe verwendet werden. Der Anteil der Siedlungsfläche ist zwar klein, doch von erheblicher Bedeutung für den Schutz der oberirdischen Zuflüsse der Talsperre. Hauptprobleme sind hier Flächenversiegelungen, Kanalisation und Gewerbegebiete.
Anders als der Gewässerschutz der Ennepe-Talsperre ist der Schutz beim Wasserwerk Volmarstein. Denn hier muss das komplette Einzugsgebiet der Ruhr (bis zur Quelle) geschützt werden. Dazu haben sich die regionalen Wasserwerke zur AWWR (Arbeitergemeinschaft der Wasserwerke an der Ruhr) zusammengeschlossen. Die Wasserwerke versuchen, mit Güterüberwachung und vielfältiger Zusammenarbeit die Wassergüte aufrecht zu erhalten.

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Das Wasserwerk Rohland in Breckerfeld

Zur Geschichte:

Das Rohwasser für das Wasserwerk Rohland wird aus der Ennepetalsperre gewonnen. Wegen einer Vielzahl von Eisen- und Stahlbetrieben am Flusslauf der Ennepe wurde ab 1901 die Ennepetalsperre von zahlreichen Unternehmen gebaut. Damals war dies die zweitgrößte Talsperre der Umgebung. Die Talsperre wurde am 27. Mai 1905 fertiggestellt, heute werden jährlich ca. 9 Mio. m³ Trinkwasser gefördert.

Die Bauarbeiten des Wasserwerks dauerten von Mai 1976 bis Dezember 1978.

Technische Daten:

Förderleistung: bis zu 36.000 m³/Tag (36 Mio. Liter!)
  bis zu 1.400 m³/Stunde (1,4 Mio. Liter!)


Filterstufen: zwei Filterstufen (mehr dazu unten)
Filteranzahl: Vier Stück pro Filterstufe
Filterfläche: 37,5 m²/Filter
Elektrische Anschlusswerte: Versorgungsspannung 30kV / 400V
installierte Trafoleistung 3.200 kVA


Versorgungsgebiete: Gevelsberg
Schwelm
Breckerfeld
Ennepetal
Sprockhövel
Wetter(Ruhr)

Das Wasserwerk Rohland versorgt folgende Gebiete in Wetter:

  • Albringhausen
  • Voßhöfen
  • Flachsteich

Vom Rohwasser zum Trinkwasser:
Das Rohwasser aus der Ennepe-Talsperre war schon immer von guter Qualität. Daher nutzten die Menschen im Ruhrgebiet dieses Wasser auch bis 1945 als Trinkwasser, ohne eine voherige Aufbereitung durchzuführen. Die Zahl der Menschen und Betriebe die das Wasser aus der Ennepe-Talsperre nutzten stieg an, und somit baut die AVU die Schnellfilteranlage an der Ahlenbecke. Doch diese Filtertechnik reichte nicht mehr aus, und somit übernahm die AVU 1978 die Aufgabe der Trinkwasseraufbereitung:

Wasseraufbereitung Ennepetalsperre
Ablaufschema Wasseraufbereitung (Quelle: AVU-Homepage)
  1. Die Ennepe-Talsperre selbst:
    Die Aufbereitung fängt schon indirekt in der Talsperre statt, wo durch 2 Belüftungsanlagen Sauerstoff in das Wasser gepumpt wird.
    (Querschnittsskizze der Staumauer, Bilder aus der Umgebung der Talsperre in Kapitel 8)
  2. Das Rohwasserpumpwerk:
    Über das Rohwasserpumpwerk wird das Rohwasser aus der Talsperre direkt zum Wasserwerk Rohland gepumpt. Drei Pumpen (à 1.200m³/h) sorgen dafür, dass das Wasser zum Vorbelüftungsbecken gelangt.
  3. Die Vorbehandlung:
    Hier erst fängt die eigentliche Filterung an. Im Vorbelüftungskessel wird dem Wasser wieder Sauerstoff zugeführt. Durch den Einlaufkanal gerät das Wasser dann in das Mischbecken. Dem Wasser werden in diesem Becken Flockungsmittel zugegeben, um organische und nichtorganische Substanzen zu entfernen. Außerdem steigert dies die Wirkung der Filtration.
  4. Die Filteranlage:
    Das Wasser durchläuft nun die erste Filterstufe. Hier werden die ausgeflockten Stoffe gefiltert. Diese sind auch auf der Wasseroberfläche zu erkennen. Das Wasser durchläuft hier zwei Filterschichten (Filterbett).
    Das erste Filterbett besteht aus einer Schicht Hydroanthrazit (0,8m) und einer Schicht Quarzkies (0,8m). Im Filterbecken steht das Wasser über den 2 Schichten ca. 2,5m über. Um den Filtervorgang zu beschleunigen, sind vier dieser Fliterbecken im Wasserwerk Rohland vorhanden (offen). Jeder Filter hat eine Fläche von 37,5m². Die Filterstärke beträgt 1,85m.
    Von der ersten Filterstufe läuft das Wasser direkt in die zweite Filterstufe. Um den pH-Wert anzuheben, wird dem Wasser auf dem Weg in diese Stufe Kalkmilch hinzugefügt. Der hohe pH-Wert vermindert Korrosionsvorgänge. Doch die Kalkaggressivität nimmt beim Durchlaufen des Rohrnetztes wieder ab.
    Dieser Filter besteht aus einer Schicht Aktivkoks (0,6m) und einer Schicht Quarzkies (1m). In diesem Filterbecken steht das Wasser ca. 1m über dem Filter. Geschmacks- und Geruchsstoffe können hier beseitigt werden. Auch in dieser Filterstufe sind insgesamt 4 offene Filterbecken vorhanden.
  5. Reinwasserpumpwerk/Hochbehälter:
    Nach der Aufbereitung hat das Wasser Trinkwasserqualität und wird durch Reinwasserpumpwerke in Hochbehälter gepumpt. Hier wird dem Trinkwasser zur Sicherheit noch Chlor hinzugefügt, bevor es zu den Haushalten gepumpt wird.
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Das Wasserwerk Volmarstein

Ein wesentlicher Unterschied besteht zwischen dem Wasserwerk Rohland und dem Wasserwerk Volmarstein:

  • Rohland gewinnt Oberflächenwasser,
  • Volmarstein gewinnt Grundwasser.
Das Wasserwerk Volmarstein dient heutzutage nur noch als sog. Standby-Wasserwerk. Es ersetzt, im Falle einer unzureichenden Versorgung durch das Wasserwerk Rohland, das benötigte Trinkwasser in Wetter und Umgebung. Allerdings stellt es dann für uns hier in Wetter einen Großteil des Wassers. Und zwar versorgt es:
  • Schmandbruch
  • Volmarstein Loh
  • Im Homberge
  • Harkortberg
  • Südstrasse
  • Stuckenholzhöhe
Das Wasserwerk Volmarstein liegt in den Ruhr-Auen und bezieht daher auch sein Wasser aus der Ruhr. Das Wasserwerk ist direkt am Ufer gebaut, und das Uferfiltrat, also das Wasser was durch das Ufer unter die Erde gelangt, wird durch ein Rohr aufgefangen. Dieses Rohr befindet sich ca. 8,5m tief im Erdboden und ist mit vielen kleinen Löchern versehen, durch die das Wasser aus der Erde in das Rohr gelangt.
Doch das Uferfiltrat stellt nur 10% des aufgenommenen Wassers dar.

Damit mehr Wasser aufgenommen werden kann, wurden zwei Becken angelegt (Gesamtfläche 18 km²). Die restlichen 90% bringen also diese beiden Becken.
Das gesamte Wasser in dem Rohr wird schließlich mithilfe einer
Vakuumpumpe in 2 Sammelbrunnen gepumpt.
Aus diesen Brunnen wird das Wasser nach oben in den Rieslerturm gepumpt, wo die eigentlich Aufbereitung stattfindet.
Vier Kompressoren leiten Sauerstoff in das Wasser.
In einem Becken wird das Wasser verdüst, d.h. es wird mit Sauerstoff behandelt. Das Wasser wird umgewälzt und der Sauerstoffgehalt steigt.
Danach folgt die Filterung des Wassers in mehreren Schnellfilteranlagen. In diesen Behältern durchläuft das Wasser zunächst eine Aktivkohlefilterschicht ab 30cm unter dem Strich (siehe Bild) bis zum unteren Strich. Darunter befindet sich eine Schicht aus Sand und Kies. Insgesamt können 150m³/h gefiltert werden, jedoch liegt der durschnittliche Durchlauf bei 100m³/h.
Zuletzt wird dem Wasser noch Chlorwasser hinzugefügt, um auch die letzten Keime, die im Wasser sein könnten, zu beseitigen. Das erledigt das blaue Rohr mit dem roten Aufsatz. Danach wird das Wasser in einen Wasserbehälter im Keller gepumpt.
Die Qualität des Wassers wird jederzeit mithilfe eines Wandlabors überwacht. Interessant ist, dass die Wasserqualität des Wasserwerks Volmarstein trotz des Schnellfilterverfahrens besser ist, als die des Wasserwerks Rohland. Das liegt vermutlich daran, dass das Wasser bereits am Anfang als Uferfiltrat, also bereits vorgefiltert, ins Wasserwerk gelangt.
Aus dem Wasserbehälter des Wasserwerks Volmarstein, wird das Wasser schließlich nach Wetter auf den Harkortberg gepumpt.

 

 

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Erstellt am 26.01.2005; zuletzt geändert am 18.09.2005 . (Ka)